ENTWICKLUNG des
bio-physischen theaters (topographie)
Im modernen Theater werden spätestens ab dem Beginn
des 20. Jahrhunderts die Grenzen zwischen Zuschauer und
Akteur aufgebrochen. Im Happening und in der Performance
wird die Struktur der Inszenierung aufgelöst: Der Zuschauer
ist nicht nur Rezipient, sondern unbedingter Mitakteur,
ohne den das Spiel nicht weitergehen kann.
Im bio-physischen Theater wird der Zuschauer zur theatralen
Mess-Einheit: Er formt durch seine bio-physischen Werte
szenische Ereignisse innerhalb des Kunstraumes, und umgekehrt
verändern szenische Ereignisse die bio-physischen Werte
des Menschen.
Der Zuschauer ist auch hier unverzichtbarer Mitakteur der
Inszenierung, allerdings in seiner bio-physischen Anwesenheit:
Es ist sein Herzschlag, sein Blutwert, sein Atem, der die
Struktur der Inszenierung verändert. Abgenommen und
per Computer ausgewertet, verändern so beispielsweise
die Blutzuckerwerte die Musik der Vorstellung.
Umgekehrt stellt sich die Frage, ob theatrale Vorgänge
die bio-physischen Werte des Menschen signifikant ändern.
Am 15. September 2003 stellte ich bei einem poetischen
Selbstversuch im Deutschen Museum fest, dass Radiowellen
des Sternbildes Kassiopeia meine Blutwerte maßgeblich
verändert haben.