Schatzsuche im kunstfreien Raum
- Der Installationskünstler Berkan Karpat
Die Zeit 18.Okt. 2002
Deutschlands vorwitzigster Newcomer belebt die Kunstszene
mit Wein und Blut. Der Installationskünstler Berkan Karpat
erhebt den öffentlichen Platz zur interaktiven Opernbühne
Von Fabienne Hübener
In München treibt seit einigen Jahren ein junger Künstler
sein Unwesen, dessen abgedrehte Ideen die erschlaffte Kunstszene
in Verzückung versetzt. Berkan Karpat, von den Medien
wahlweise als Autor, Regisseur, Installationskünstler,
Klanginstallateur und - so sieht es die Süddeutsche Zeitung
- "Newcomer des Jahres 2002" bezeichnet, hat Großes
vor. "Man hat permanent den Eindruck, dass Karpat an
der Schwelle zu etwas Unerhörtem, Großen steht",
begründet die Süddeutsche ihre Auszeichnung.
Sein neuester Coup: Ein fünf Meter hoher Turm, in dessen
Adern Wein und das Blut des Künstlers fließen.
Aber nicht nur zum Angucken. Den Turm kann man anfassen und
wird damit Komponist in Karpats öffentlicher Oper "suchmaschinen
im lichtleeren raum". Denn das Berühren des Turmes,
Sinnbild der Suche nach ewiger Liebe, verändert die Liebesgesänge,
die mehr oder weniger ahnungslose Passanten zuvor eingesprochen
haben.
Passanten? Genau. Der Turm steht auf einem belebten Platz
in München, dem Pariser Platz, der täglich von Hunderten
von Menschen übergangen wird. Übergehen kann man
den Platz jetzt nicht mehr. Für einen kurzen Moment wird
man Darsteller, Dichter, Regisseur oder Betrachter der Oper.
Es gibt keine Bühne, keinen Eintritt, keinen Platzanweiser.
Will man tiefer in das Geschehen eintreten, kann man sich
eines der präparierten Taxis mieten, in denen sich die
Hauptszenen der Oper abspielen werden.