1. Wir sind braungebrannte Jäger, die sich eine Mausefalle
an den Gürtel gehängt haben, in der erschrocken
mit schwarzen Augen das Schicksal zittert [...]
12. Über das Helium. Strahl der Welt. Die Welt als
Gedicht.
13. Hymne auf die aufgehende Sonne. Wir flicken das verlotterte
Gestirn der Sonne und klopfen mit Hämmern. Fürchtet
euch, glaubt uns nicht. Wir sind zu euch aus der Zukunft
gekommen, aus der Ferne der Jahrhunderte. Wir schauen auf
eure Zeit vom Felsen der Zukunft. Wir lesen Gedichte. Aussprache.
[Thesen für öffentliches Auftreten (April 1917)]
Velimir Chlebnikov (Viktor Vladimirovic Chlebnikov)
(1885-1922)
Russischer Dichter. Ein Mystiker der Sprache, ein Neuschöpfer
von Worten, da die alten für seine Neue Welt, seinen
Neuen Menschen nicht mehr ausreichen. Seine "Sternensprache"
soll die Sprache aller Völker werden, ihre Bilderwelt
ist der orientalischen Mystik entnommen.
Chlebnikov ist die Keimzelle des russischen Kubo-Futurismus.
Kunstmetaphysik und visionäre Zukunftseuphorie von
Welt und Sprache: Ladomir, das sozialistische Utopia. Sein
Dichten ist das Sprechen in einer rituellen Geheimsprache.
Fragmente orientalischer Mythen konstruieren die neue Welt,
drehen seine Dichtung in den Zyklen von Beginn und wiederbeginnendem
Ende. Entwurf einer transmentalen Sprache der Neologismen;
einer neuen völkerverbindenden Sprache: die Sternensprache.
Sprachalchemist, der den Durchbruch zu den Schichten des
Schweigens will. In den archaischen Sprachzuständen
liegen Urweisheiten verborgen. Platons Kratyloss spricht
in den Wörtern von Chlebnikov: die Sprache ist das
Zeichen ist das Ding in seinem reinem Sein.