Ibn Tufail wurde 1100 oder 1110 in der Nähe Granadas
geboren. (als Abu Bakr Muhammad ibn ‘Abd al-Malik ibn
Muhammad ibn Muhammad ibn Tufail al-Qaisi). Der auch von christlichen
Gelehrten geschätzte Autor wurde latinisiert ‘Abubacer’
genannt. Unter dem Almohaden-Herrscher Abu Sa’id wirkte
er als Sekretär und vielseitig gebildeter, religiöser,
wissenschaftlicher Denker. Schließlich brachte er es
zum Leibarzt und Wesir. Dieser gesellschaftliche Rang erlaubte
es ihm, durch die gezielte Berufung herausragender Persönlichkeiten,
ein fruchtbares kulturelles Umfeld zu entwickeln. Legendär
ist der Disput mit Ibn Ruschid (lat.: Avarroes) über
die Frage:” Ist die Welt ewig oder geschaffen?”
(1169(?)). Ibn Tufail starb im Jahre 1185.
Am Hofe der Almohaden konnten sich trotz einer eher restriktiven
Religionspolitik sowie theokratischer Staatsstrukturen die
Wissenschaften über die gesamte Dauer ihrer Dynastie
(1147-1199) beachtlich entfalten und nachhaltig auch auf das
abendländische Denken wirken.
Das Buch vom Naturmenschen ist eine poetisch aufbereitete
Darstellung der Begegnung aristotelischer Philosophie und
islamischer Gottesverehrung.
Der aus einer verbotenen Heirat gezeugte Knabe Hajj ibn
Jaqzan wird von der Mutter unter an Allah gerichteten Bitten
um seine glückliche Rettung ins Meer ausgesetzt und
an den Strand einer fruchtbaren Insel gespült.
Dort findet ihn ein Reh, das ihn mit ihrer Milch großzieht.
Im Heranwachsen bemerkt er den Unterscheid seiner und der
Milchgeschwister Beschaffenheit.