Cyborg.Cybernetic Organism:
Mensch und Technik werden zu einem neuen Organismus verbunden.
In Villiers de l´Isle-Adams 1886 erschienenem Roman
„L´Eve future“ entwickelt Thomas A. Edison
den technisch perfekten und ästhetisch schönen Mechanismus
einer elektromagnetischen „Androsphynge“, dem
eine in seinem unterirdischen Labor in kataleptischer Starre
schlafende Frau eine ideal sensible Seele einhaucht: Seine
„Eva der Zukunft“ ist also ein Zwitterprodukt
aus Technikutopie und Okkultismus, eine Verwandte der Automatenfrau
Olimpia aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“
(1817). Sie ist eine Schwester von Mary Shelleys modernem
„Prometheus“ Frankenstein (1816) und der auch
Goethes Faust beschäftigenden „Homunculus“-Phantasien
des alchimistischen Naturphilosophen Paracelsus. (Zitat nach:
Hans-Joachim Schlegel: Konstruktionen und Perversionen –
Der Neue Mensch im Sowjetfilm ISBN 3-931321-71-1)
Die Weiterentwicklung der elektromagnetischen „Androsphynge“
wird im Cyborg-Manifest durch Donna Haraway 1984 geschrieben,
die den Cyborg in einen soziokulturell, politischen Kontext
stellt. Die Verwischung und Verflüssigung der Grenzen
zwischen Mensch und Maschine, menschlichem Organ und maschinelle
Prothese führt zu einem Wesen, das auseinandergebaut
und neu zusammengebaut werden kann. Somit umgeht es auch
die sexuelle Reproduktion. Weiter noch, dieses Wesen überwindet
durch die multiple Veränderbarkeit auch die Geschlechterdifferenz
und erhebt sich in eine utopische Gemeinschaft, in der die
Geschlechterdifferenz für politische und gesellschaftliche
Handlungen unwichtig wird.